«Es ist unsere Stärke, in Biel zu sein»
Das Informatikunternehmen LAN bekennt sich zu seiner Herkunft - bald auch mit Sponsoring beim Lokalfernsehen. Ein Gespräch mit den CEOs über Kommunikation, Hühnerhaut und Gelassenheit.
Interview: Tobias Graden
Was heisst für Sie Kommunikation?
Reto Bertschi: Wir bauen Netzwerke, wir verbinden Computersysteme, wir verbinden Geschäftsniederlassungen untereinander, regional, national, weltweit; wir bieten Internetanschlüsse... wir haben also eine recht technische Sicht.
Steht auch der Gedanke dahinter, Menschen zu verbinden?
Bertschi: Nein, wir sind nicht Nokia, «connecting people». Wir sind LAN! (lacht)
Christian Passath: Wir sind im Geschäftsbereich tätig, unsere Hilfsmittel dienen der Rationalisierung. Ich möchte das nicht zu sehr auf die emotionale Schiene bringen.
Biel nennt sich «Stadt der Kommunikation». Hat das für Sie eine Bedeutung?
Passath: Das ist schön, und mit den neuen Unternehmen entwickelt sich Biel immer mehr in diese Richtung. Aber wir sind ein Bieler Unternehmen, weil wir Bieler sind, weil wir hier aufgewachsen sind, und weil wir in Biel bleiben wollen, nicht zuletzt wegen der Zweisprachigkeit.
Welche Rolle spielt für Sie die Zweisprachigkeit?
Passath: Wir versuchen sie zu leben. Wir wollen unsere Kunden so gut wie möglich in beiden Sprachen bedienen. Unser Personal ist zweisprachig.
Wollen Sie mit dem Engagement bei der Talksendung von TeleBielingue die Kommunikation in Biel fördern?
Passath: Dies steht vermutlich nicht in unserer Macht. Doch wenn wir das leisten könnten, wäre das schon «cool».
Welche Rolle spielt das Medium Fernsehen dabei?
Bertschi: Es ist ein Experiment. Es ist eine Chance, TeleBielingue zu unterstützen, ich finde es gut, dass wir ein regionales Fernsehen haben. Geschäftlich gesehen ist es interessant, dass wir durch die Werbemöglichkeiten, die das Fernsehen bietet, unsere Produkte visualisieren können.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Engagement?
Passath: Unser Unternehmen existiert seit 16 Jahren. Sehr viele Leute kennen unseren Schriftzug und können ihn mit «Computer» assoziieren. Aber: Wir sind der grösste Internetdienstleister in der Region, wir beschäftigen 20 Techniker, wir verkaufen jedes Jahr zwei- bis viertausend PCs... Das alles lässt sich nicht allein mit dem Logo kommunizieren. Jetzt haben wir die Möglichkeit, unser Tätigkeitsfeld aufzuzeigen. Mit Afterwork-Apéros, Sponsoring beim EHC Biel und weiteren Engagements sind Sie stark an kommunikationsfördernden Anlässen präsent.
Gehört dies ins Selbstverständnis eines IT-Unternehmens?
Bertschi: Wir haben in den letzten drei Jahren unser Marketing massiv verstärkt. Wir haben Freude an unseren Engagements, an diesen Kommunikationsarten. Zwischen einem Afterwork-Apéro und dem Besuch eines EHC-Biel-Matches besteht kein so grosser Unterschied - es wird kommuniziert. Diese Art von Sponsoring ist unsere Spezialität. Wir schaffen Netzwerke.
Wie wichtig ist für Sie der Standort Biel?
Passath: Wir leben von einem intensiven Beziehungsnetzwerk. Das haben wir hier in der Region und bauen es stetig aus. Wir sind ein typisches Bieler Unternehmen. 90 Prozent unserer Aktivitäten spielen sich zwischen Bern, Solothurn, Neuenburg und Moutier ab. Im Internetbereich sind wir aber national tätig.
Könnten Sie denn Ihre Aktivitäten von einem anderen Standort aus besser anbieten?
Bertschi: Sagen wir es so: Im Raum Zürich könnten wir gewisse Aktivitäten mindestens gleich gut anbieten. Aber dort sind die Mitbewerber zahlreicher. Ich denke, es ist eine unserer Stärken, dass wir in Biel sind.
Aber manchmal müssen Sie gleichwohl «Zürich nach Biel holen», wie es an einem der letzten Afterwork-Apéros hiess.
Bertschi: Zürich ist das IT-Zentrum der Schweiz. Die Branche ist amerikalastig, und alle diese grossen Firmen haben ihre Niederlassungen um Zürich. Wenn wir Zürcher Spezialisten nach Biel holen, ist das für die Endkunden eine Bereicherung.
Beeinflussen die Sprachgrenze und die durch die Zweisprachigkeit geprägte Mentalität die Unternehmenskultur?
Bertschi: Ja, unsere Mitarbeiter stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Biel wird unterschätzt, es heisst, wirtschaftlich sei hier nichts los. Wir zeigen das Gegenteil - dank unserer Kunden.
Sie sind schon sehr lange im Informatikbereich tätig. Welche Entwicklungen haben Sie speziell beeindruckt?
Passath: Die ersten Computer, die wir verkauft haben, waren 40 Kilogramm schwer...
Bertschi: Ein grosser Meilenstein war die Einführung der grafischen Benutzeroberfläche.
Passath: Eigentlich hat uns jede Entwicklung stark beeindruckt, beim ersten Laserdrucker bekam ich Hühnerhaut.
Wie sieht die Informatikwelt in fünf Jahren aus?
Bertschi: Stichwort «Konvergenz»: Die Einzelgeräte werden verschmelzen, wohl mit extremen Auswüchsen. Und es wird alles drahtlos sein. Auch die Fernsehwelt wird sich sehr stark verändern, hin zu «on demand» sein.
Passath: Das Datenvolumen wird stark zunehmen. Letztes Jahr hatte jeder Mensch 1 Gigabyte an Datenvolumen zur Verfügung, dieses Jahr werden es 7 Gigabyte sein.
Der Preisdruck hat einen grossen Einfluss auf die Innovation in der Branche. Ist es anstrengend, in dieser Branche zu arbeiten, wenn ständig etwas Neues kommt?
Passath: Es ist eine sehr dynamische Branche. Es wird einem nie langweilig, man bleibt jung.
Bertschi: Wir persönlich nehmen es viel gelassener als noch vor 15 Jahren, was die Technologie betrifft. Nicht jede neue, grössere Harddisk haut uns vom Hocker.
«Es ist eine unserer Stärken, in Biel zu sein»: Christian Passath und Reto Bertschi, CEOs der LAN-Informatikunternehmen, wollen im Seeland etwas bewegen. Bild: Stefan Wermuth
Das Unternehmen
tg. «LAN ist eine dynamische Informatikfirma mit Sitz in Biel/Bienne - regionale Bedeutung und wirtschaftlicher Erfolg sind unsere beiden Hauptziele.» So beschreibt sich das Bieler Informatikunternehmen selber. Die Firma besteht aus drei Aktiengesellschaften: LAN Computer Systems AG, LAN Services AG und der Tochterfirma Netrics Hosting AG.
Ältester Teil ist die LAN Computer Systems AG, gegründet 1989 von Christian Passath und Reto Bertschi. Sie konzentriert sich mit zehn Angestellten unter CEO Christian Passath auf die Einrichtung von Netzwerken (LAN bedeutet «Local Area Network»), die Projektberatung und den Verkauf von Hard- und Software. Die 1993 gegründete LAN Services AG mit CEO Reto Bertschi befasst sich mit den Wartungs- und Supportarbeiten im technischen Bereich und bietet Hochleistungs-Internetanschlüsse an. 34 Personen arbeiten in dieser Sparte. Die Netrics Hosting AG bietet Rechencenter-Dienstleistungen im Internet- und Outsourcingbereich an. In jüngster Zeit richtet sich LAN zum Telekommunikations-Komplettanbieter aus. Mit Produkten und entsprechenden Services wie «Black Berry» (ein «Büro für die Westentasche») und neuen Telefonieangeboten präsentiert sich LAN als kompletter IT-Anbieter. Die regionale Präsenz ist den CEOs Passath und Bertschi wichtig - ab dem 7. Februar Januar sponsert das Unternehmen die Talksendung auf TeleBielingue.
Quelle: Bieler Tagblatt vom 19.01.05