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Im Unternehmensumfeld ist die Diskussion für und wider VoIP zugunsten von VoIP entschieden: Neu installierte TK-Anlagen basieren entweder ganz auf IP oder sie unterstützen das Protokoll. Auch im internationalen Backbone wird mittelfristig der Sprach- mit dem Datenkanal verschmelzen. Die T-Systems-Business-Unit International Carrier Sales & Sollutions (ICSS) will im Laufe des Jahres ihren gesamten Sprachverkehr auf IP umstellen. ICSS hat rund 150 000 Kilometer Glasfaserkabel rund um den Globus verlegt und versorgt damit weltweit rund 900 Telcos und ISPs. Der Grund: IP-Traffic ist billiger und einfacher zu managen. In den heimischen Wohnzimmern ist VoIP noch nicht ganz angekommen, zumindest nicht in Europa. In Korea und Japan, so eine aktuelle Studie des Broadband Research Center der Brunel University, hat sich die IP-Telefonie zum Breitbandmarktreiber Nummer eins gemausert: Japaner legen sich einen Breitbandanschluss zu, weil sie damit günstig telefonieren können, so das Fazit.

VoIP ist billiger
Billiger telefonieren wollen alle. Das beweist der Erfolg der im vergangenen Oktober gelaunchten IP-Telefonie-Software Skype, eines Werkes der Kazaa-Gründer. Die Software wurde seither 8.5 Millionen Mal heruntergeladen, monatlich kommen über eine Million User hinzu. Skype lässt allerdings nur Sprachverbindung zwischen PCs zu. Auf das Festnetz lässt sich damit nicht anrufen. Andere Anbieter wie Net2-Phone und Vonage in den USA oder Sipgate in Deutschland bieten Lösungen an, die auch Anrufe vom PC oder IP-Telefon auf herkömmliche Telefonanschlüsse erlauben. Anrufe zwischen Nutzern desselben Anbieters über das Internet sind meist kostenlos. Auch IP-Anrufe auf das Festnetz sind in der Regel deutlich günstiger als normale Anrufe. Bei Sipgate etwa kostet ein Anruf werktags deutschlandweit 1.7 Euro-Cent pro Minute. Bei der Deutschen Telecom sind es 12.2 Cent. Vonage-Kunden können für einen Betrag von rund 34 US-Dollar pro Monat beliebig lange innerhalb der USA und Kanadas telefonieren.

Vonage will in die Schweiz
Vonage und Net2Phone planen, wie der ICT-Newsdienst CNET Mitte März berichtete, noch dieses Jahr den Markteintritt in Europa. Die ersten Länder, die Vonage bedienen will, so wird Unternehmenssprecher Mitchell Slepian zitiert, sind Grossbritannien und die Schweiz. Im Vergleich zu den USA herrschen hierzulande paradiesische Verhältnisse, was die Telefontarife anbelangt - aus Sicht der Anbieter. Dies verspricht auch für VoIP-Anbieter bessere Margen.

Warten auf Unbundling
Auch für viele Schweizer ISPs ist VoIP ein Thema. "VoIP bietet ISPs eine interessante Basis sowohl für das Angebot von Telefonie ins Festnetz als auch von weiteren Services", glaubt Robert Signer, Director Sales and Services bei green.ch. Derzeit werde bei green.ch eine Strategie und Roadmap in diesem Bereich ausgearbeitet. "Wir haben einige Projekte und Ideen in der Pipeline", so Signer. Bei Tiscali laufen gemäss Sara Meier, Communications Assistant bei Tiscali Schweiz, bereits seit rund zwei Jahren Betriebsversuche mit VoIP-Lösungen. Der paneuropäische Internet-Service-Provider habe bereits grosse Investitionen in die technologie getätigt. Ende Februar gab Tiscali eine Partnerschaft mit NetCentrex bekannt. Zusammen mit dem Anbieter von Sprach-, Daten und Video-Lösungen will Tiscali noch im Laufe dieses Jahres in verschiedenen europäischen Ländern breitbandtelefonie-Angebote lancieren. Die Schweiz dürfte sich jedoch nicht darunter befinden: "Durch das Monopol von Swisscom auf der letzten Meile wird es alternativen Telekommunikationsfirmen verunmöglicht, hochwertige VoIP-Lösungen für den Massenmarkt anzubieten", sagt Meier. Dem schliesst sich Tele2 an: "Ohne eine Entbündelung der letzten Meile werden VoIP-Angebote kaum zum Zuge kommen", so ein Tele2-Sprecher. Vorerst seien deshalb keine Angebote geplant.

Quelle: Netzwoche vom 17.03.2004

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